Die auf dieser Website vorgestellten Formate werden in der Literatur (1) den folgenden sieben Methoden zugeordnet. Sie basieren hauptsächlich auf Beobachtungen, teilweise auch auf Zählungen oder Befragungen. Eine Kurzdarstellung:

Darüber hinaus gibt es eine auf die Ziele bezogene Gliederung in drei Kategorien:

Im Rahmen der in Baden-Württemberg durchgeführten Fußverkehrs-Checks wurden die Gruppen-Begehungen in drei unterschiedliche Typen untergliedert: (2)

Das sind bezüglich der Vorbereitungen und des Aufwandes recht unterschiedliche Vorgehensweisen.

Momentaufnahme (Beobachtung, Zählung)

Mit der Momentaufnahme wird in relativ kurzer Zeit die Qualität eines Ortes erfasst. Es gibt eine Vielzahl von Kriterien, die mit dieser Methode untersucht werden können, z.B.:

Für die Methode muss zunächst das Untersuchungsgebiet festgelegt werden, das später bei der Durchführung besichtigt wird. Ist der Standort gut überschaubar, kann die Beobachtung von nur einem Ort erfolgen, ansonsten sind mehrere Stellen auszuwählen. Während der Untersuchung sind die Aktivitäten der Personen zu notieren, die ins Blickfeld der Beobachterin beziehungsweise des Beobachters gelangen. Zur Veranschaulichung der quantitativen Ergebnisse ist eine räumliche Darstellung oftmals sinnvoll. Genauso wie eine Wiederholung in festgelegten Zeitintervallen stattfinden sollte. Die Momentaufnahme ist sowohl gut geeignet für eine qualitative Analyse, als auch mit angepasster Systematik für quantitative Erhebungen anzuwenden.

Zeitausschnitt (Beobachtung, Zählung)

Das Ziel der Zeitausschnitt-Methode ist es, eine Veränderung in einem bestimmten Raum festzustellen. Es können hier zu den gleichen Themen, wie bei der Momentaufnahme, Erhebungen durchgeführt werden. Das Untersuchungsgebiet sowie der Zeitrahmen müssen festgelegt werden. Während der Durchführung bleibt die beobachtende Person stationär und beobachtet die zuvor festgelegten Orte, zum Beispiel via Webcam. Zu erwähnen ist, dass aufgrund der festen Beobachtungsposten je nach Sichtfeld tote Winkel möglich sind. Die Methode des Zeitausschnittes hat den Vorteil, dass absolute Nutzungszahlen erhoben werden. Das bedeutet, dass im Gegensatz zur Momentaufnahme, bei einem Vergleich über den Tagesverlauf, keine Hochrechnungen gemacht werden müssen.

Teilnehmende Beobachtung

Bei dieser Methode nimmt der Beobachter am Geschehen teil und kann somit das Verhalten und die Aktivitäten direkt miterleben. Ziel ist es, nonverbale Abläufe aufzuzeichnen. Es können auch spontane Gegebenheiten beobachtet werden, welche nicht durch den Forscher hervorgerufen werden. Allerdings sind die Ergebnisse durch die persönliche Anwesenheit des Beobachters als subjektiv einzustufen. Die Methode wird in der Regel mit anderen Methoden (insbesondere der Befragung) kombiniert. Während der Vorbereitung werden der Untersuchungsgegenstand und der Forschungsrahmen kurz erklärt. Der Beobachtungszeitraum und die Untersuchungsorte sind festzulegen. Die Positionen sollten am besten so gelegt sein, dass sie einen guten Überblick über das zu erhebende Gebiet besitzen. Falls die Erhebung in halböffentlichen Räumen stattfindet, ist die Einwilligung des Eigentümers einzuholen.

Die Durchführung selbst kann in zwei unterschiedliche Phasen aufgeteilt werden: in die Beobachtungsphase und die unmittelbar anschließende Protokollphase, in der die zuvor wahrgenommenen Prozesse notiert werden. Für die Aufzeichnung ist ein Plan oder ein thematisches Raster (wie zum Beispiel Behaviour Mapping) hilfreich, sowie die Ergänzung von Fotos oder Videos. Es ist allerdings darauf zu achten, dass die Fotos weder von vorn noch von nahem aufgenommen werden und bei Kindern die Einwilligung der Begleitperson einzuholen ist. In der Nachbereitung werden die Beobachtungen hinsichtlich Reproduzierbarkeit und Übereinstimmung mit Ergebnissen anderer Methoden ausgewertet. Die Vergleiche und Wiederholungen werden beispielsweise in die Kategorien Aktivitäten, Nutzergruppen oder benutzte Wege eingeordnet.

Nichtteilnehmende Beobachtung

Im Gegensatz zur teilnehmenden Beobachtung, ist bei der nicht teilnehmenden Beobachtung der untersuchende Forscher lediglich im unabhängigen äußeren Bereich aufzufinden. Denn seine Untersuchungen beziehen sich auf die Spuren, die Personen im öffentlichen Bereichen hinterlassen. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Handlungen der untersuchenden Personen ziehen und Bedürfnisse von diesen erkennen.

Die Spuren können in die so genannten physischen Beweise und Erosionen gruppiert werden. Bei den physischen Beweisen handelt es sich um Abfall, der anhand der Menge, des Zeitpunktes und der Art des Mülls analysiert werden kann. Daraus können Rückschlüsse gezogen werden, wie ein Ort benutzt wird und welche Merkmale die Nutzerinnen und Nutzer aufweisen. Anhand der Gebrauchsspuren lässt sich aussagen, wie Gegenstände (zum Beispiel Sitzbänke oder Wände) verwendet werden oder welche Wege (anhand von Trampelpfaden oder abgenutztem Steinbelag) bevorzugt beansprucht werden.

Die nichtteilnehmende Beobachtung ist hilfreich, um das Langzeitverhalten aufzunehmen, da die Spuren über längere Zeiträume hinweg entstehen. Anhand dieser Methode können Rückschlüsse für zukünftige Maßnahmen definiert werden, wie zum Beispiel eine optimale Wegführung oder aber an welchem Standort Abfalleimer oder Sitzbänke benötigt werden.

Expertenbeurteilung (Beobachtung)

Bei dieser Methode bewerten Fachpersonen relativ schnell und ohne großen Aufwand die Qualität eines öffentlichen Platzes. Dafür stehen ihnen ausgearbeitete Kriterien von verschiedenen Organisationen, Planerinnen und Planern usw. zur Verfügung. Da diese eine gewisse Systematik aufweisen, sind Quervergleiche möglich. Die Qualitätskriterien sind meist aufgrund einer Gesamtbetrachtung aller relevanten Faktoren auf verschiedene Arten von öffentlichen Räumen anwendbar. Da sie oftmals die Sicht des Nutzers widerspiegeln und somit Elemente für ein angenehmes Wohlbefinden, werden die Qualitätskriterien bei einer Planung als hilfreich empfunden, so dass wichtige Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern nicht in Vergessenheit geraten.

Befragung

Mithilfe einer Befragung können nicht beobachtbare Erkenntnisse, wie Grund, Dauer und Regelmäßigkeit des Aufenthalts von Nutzerinnen und Nutzern in öffentlichen Räumen ermittelt werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, dass die Befragten qualitative Einschätzungen und Verbesserungsvorschläge äußern. Im Unterschied zur Umfrage möchte diese Methode Hypothesen bestätigen.

Es wird zwischen den beiden Befragungstypen „standardisiertes Interview mit Fragebogen“ und „offenes Interview“ unterschieden. Ersteres weist als Hauptmerkmal geschlossene Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten auf. Es spiegelt, aufgrund der meist großen Stichproben, eine gewisse Repräsentativität wider. Durch die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten ist eine Vertiefung der Fragen jedoch nicht durchführbar. Bei dem offenen Interview hingegen können die Fragen je nach Bedarf angepasst, präzisiert sowie zur passenden Zeit gestellt werden. Dieses Modell weist eine begrenzte Größe des Stichprobenumfangs für die qualitative Auswertung auf und benötigt die Reflexion des Forschers. Zu guter Letzt wird der Befragung „Focus Group“ zugeordnet, die eine Diskussion in der Gruppe darstellt und auf einer Frageliste basiert, die in freier Reihenfolge durchgeführt werden kann. Sie ist hilfreich für die Analyse der Wirkung eines Ereignisses oder einer präzisen Erfahrung.

Begehung mit Betroffenen (Beobachtung, Befragung)

Es handelt sich um eine gemeinsame Begehung von Forschern sowie Nutzerinnen und Nutzern. Die Voraussetzung für die Begehung ist, dass die beobachtenden Personen die Situation verstehen, beschreiben und interpretieren können. Es ist ratsam, die qualitativen Erkenntnisse der Beobachter durch die qualitativen und quantitativen Informationen des Leiters zu ergänzen. Ziel der Methode ist es, die sensorische Qualität der öffentlichen Räume zu ermitteln.

Während der gemeinsamen Begehung beobachten die Teilnehmer aufmerksam auf einer vorher festgelegten Route das Verhalten der Fußgängerinnen und Fußgänger. Die Aussagen der Teilnehmenden werden aufgenommen und räumliche Bezugspunkte entsprechend hinzugefügt. Die Resultate der Ortsbegehung sind die Grundlage für die später stattfindende Analyse. Nach der Begehung findet ein Austausch der Teilnehmenden, bei Bedarf mithilfe eines Plans, über die wahrgenommenen Ereignisse statt.

Die Situationsanalyse

beschreibt und analysiert die aktuelle Situation, um somit Einblick und Verständnis zu erhalten. Sie ist behilflich bei dem Input für Planung, Strategie und Richtlinien und gibt Antworten auf spezifische Forschungsfragen.

Das Controlling

vergleicht den Ist-Zustand mit dem gewünschten Resultat oder Standard. Es kontrolliert einerseits die Zielerreichung, also die Übereinstimmung mit den Strategiepapieren, Leitlinien beziehungsweise Normen. Andererseits überprüft es auch, ob die Erwartungen und Wünsche der Bevölkerung berücksichtigt wurden bzw. werden.

Das Benchmarking

vergleicht Situationen an verschiedenen Orten und/oder auf unterschiedlichen Stufen, sodass „Best-Practice-Beispiele“ erläutert oder Ranglisten erstellt werden können. Zu differenzieren ist zwischen dem Querschnittsvergleich und dem Zeitreihenvergleich. Ersteres ist ein relativer Vergleich zwischen verschiedenen räumlichen Situationen. Der Zeitreihenvergleich stellt verschiedene Projektstände oder Langzeitentwicklungen gegenüber.

Themenorientierte Begehung

Diese eignet sich zur Vertiefung konkreter Themenfelder. An einzelnen Stationen wird die situative Problematik erfasst, beleuchtet und bewertet. Anhand von Beispielen können konkrete Ideen diskutiert werden.

Erfahrungsorientierte Begehung

Hierbei erleben die TeilnehmerInnen durch Selbsterfahrung, wie sich spezielle Situationen bzw. Barrieren mit einer Mobilitäts- oder Seheinschränkung anfühlen. Als Hilfsmittel eignen sich beispielsweise Altersanzüge, Rollstühle oder Brillen, die Sehkrankheiten simulieren.

Erhebungsorientierte Begehung

Hierbei führt eine Gruppe, z. B. eine Schulklasse, eine Erhebung oder Verkehrszählung exemplarisch durch. Es handelt sich also nicht um eine Begehung im eigentlichen Sinn, denn der Handlungsbedarf wird durch die TeilnehmerInnen selbst herausgearbeitet. Durch die Einbindung identifizieren sich die TeilnehmerInnen stärker mit einer Maßnahme.“(2)

Eine genauere Ablaufbeschreibung finden Sie im Leitfaden.(3)

Quellen und Anmerkungen

  1. Hier wurde weitestgehend auf die Veröffentlichung Fussverkehr Schweiz (Hrsg.), Samuel Flükiger, Henny Leuba: Qualität von öffentlichen Räumen – Methoden zur Beurteilung der Aufenthaltsqualität, Zürich September 2015 zurückgegriffen. www.fussverkehr.ch > Redaktion > Publikationen 20150909
  2. Aus der Broschüre der Planersocietät – Stadtplanung, Verkehrsplanung, Kommunikation (Auftragnehmer), NVBW – Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (Auftraggeber): Fußverkehrs-Checks, Leitfaden zur Durchführung, Dortmund/Karlsruhe, Oktober 2016, Seite 14 oder unter: www.vm.baden-wuerttemberg.de (PDF)
  3. Leitfaden Baden-Württemberg, Seiten 20 und 21

Die Literatur zum Thema wurde noch einmal gesondert zusammengestellt.